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Meine Zeitungsberichte, Leserbriefe

Vor dem Weiterlesen, wichtiger Hinweis:

Dies ist kein politischer Eintrag, sondern ein rein Persönlicher!

 

Inmitten von wichtigen privaten, beruflichen und politischen Prozessen und Lebensphasen werden wir auch von persönlichen Ereignissen begleitet, welche genauso wie eine Geburt ebenfalls zu unserem Leben gehören: Abschied und Ableben.

Am Donnerstag, den 08. März 2018 hat mein Vater, Willi Götzl, mit 79 Lebensjahren seine letzte Reise angetreten. Seine Seele möge in Frieden ruhen.

In den folgenden Worten im Namen der Familie Götzl wird nicht von seiner Abberufung berichtet, sondern von seinem erfüllten Leben! Auch aufgrund von Anfragen zahlreicher Anteilnehmenden der Abdankungsmesse beim Hinscheid meines Vaters, publiziere ich die Abdankungsrede an dieser Stelle.

Im Gedenken an meinen verstorbenen Vater.

 

Vater, Du warst ein grossartiger Mensch!

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Geschätzte Anteilnehmende,

Liäbi Frauä und Mannä,

 

Vater!

 

Als Du am 26. Februar 1939 geboren wurdest, stand Europa vor dem zweiten Weltkrieg. Dein Heimatort Murau in der Steiermark, war in der Mobilisierung. Österreich war schon bald eine Drehscheibe des Krieges. Gelegentliche Salven aus Gewehrläufen. In der Dunkelheit der Nacht. Unbekannt, aus dem nahegelegenen Wald. Dies prägte Deine Kindheit.

 

Als jüngster Sprössling mit fünf Geschwistern hast Du die Kriegszeit so erlebt, dass die Ernährung der Familie zur Eurer Selbstversorgung verkam. Dein Vater hatte einige Jobs, er versuchte den Familienunterhalt bestreiten zu können. Du warst erst 24 Jahre alt, als Dein Vater starb.

 

Dein ältester Bruder wurde fremdbestimmt für den Wehrdienst eingezogen. Er war Jahre später einer der Wenigen, der aus Stalingrad zurückkehren konnte. Darüber gesprochen hat er nicht, auch nicht mit Dir.

 

Deine geliebte Mutter war, mit Dir und den Geschwistern, meist auf sich alleine gestellt. Sie verlangte von Euch stets viel Selbstverantwortung und Pflichtbewusstsein. Sie tolerierte keinen Leichtsinn. So hast Du früh gelernt, dass zur Realisierung Deiner Ziele, beharrlicher Wille erforderlich war. Deine Mutter war eine, Deiner Schlüsselpersonen. Noch weit über 80ig, versorgte sie sich selber. Mit Hühnereiern von eigenen Hof. Und Milch, welche sie täglich frisch vom Euter Ihrer Geiss gemolken hatte. Beim Hinscheid Deiner Mutter durfte sie auf ein 98 - jähriges Leben zählen. Auf ein hartes Leben. Bereichert mit Bescheiden- und Zufriedenheit.

 

Deine Herzensschwester war Elli. Mit Ihr konntest Du über Alles reden. Elli ist heute 91 Jahre alt. Sie lebt noch, als Dein einzig` Geschwister. Sehr gerne wäre sie auch hier. Die Reise in die Schweiz war jedoch nicht zumutbar, im Sinne ihrer Gesundheit.

 

Bereits im Deinem zarten Alter von 17, nach der Lehrzeit als Metzger, kamst Du als Junggeselle in die Schweiz. Dein älterer Bruder ebenso. Anfangs war er Dein Sprachrohr. Auch der Meldeläufer in die Heimat, war er. Nur die notwendigsten Habseligkeiten hattest Du. Du wolltest hier etwas erreichen. Eine eigene Familie gründen. Deine Familie sollte jedoch nicht, mit der Unsicherheit gedeihen, wie Du dies selber erlebt hattest.

 

In der Schweiz gings an die Arbeit, Leistung war angesagt. Es ging darum, in einer Fremde eine Existenz aufzubauen. Auch Frohlockung, in Deiner Freizeit. Viva la Grischa, die Begegnung mit Ursula. Was in Dir intensive Glücksgefühle auslöste. Spriessende Hormone, und mehr.

 

Im Alter von 26 Jahren habt Ihr geheiratet. Du bist Deinem Herzen gefolgt, es kannte den Weg. Der Bund der Trauung, mit Ursula. Sie schenkte Dir Kinder, bald folgten deren fünf. Nicht alle aufs Mal. Doch Jahr für Jahr Eines.

 

1965, Claudia.

1966, Thomas. Er verstarb, wenige Stunden nach der Geburt.

1967, Markus.

1968, Maria.

Und 1972, ein Nachzügler.

Martin.

 

Im Jahre 1974, warst Du ein junger, glücklicher, vierfacher Familienvater, mit einigen Jahren Berufserfahrung. Dann, Brunnadern, auf Deinem Radarschirm. Eine Metzgerei stand da, zum Kauf. Du hattest die Überzeugung, dass dieses einzigartige Dorf künftig, nicht ohne Dorfmetzg bleiben sollte.

 

Brunnadern wurde für Dich mit Familie zum neuen Zuhause. Brunnadern ist zu Deiner Heimat geworden.

Die Dorfmetzgerei wurde zu einer Passion. Sie war gleichzeitig Dein Beruf, Dein Einkommen, Dein Hobby, Deine Lebensfreude, und es war Deine Familie.

 

Für die Erfüllung Deiner Wünsche hast Du stets hart gearbeitet. Und auch Dein Umfeld hat mitgeholfen, das hast Du eingefordert. Die Dorfmetzg florierte und hatte zufriedene Kundschaften in der Region. Aber auch Ausserkantonal. Zahlreiche Hotels und Restaurants in Graubünden. Und auch Geschäfte und Kunden aus Zürich. Sie vertrauten auf Qualitätsprodukte aus dem Hause Götzl.

 

Deine Kinder hörten dann häufig und schelmisch von ihren Schulkolleginnen und - kollegen den legendären Spruch, welcher auf Deinem Lieferwagen stand: «Bei Götzl ist Fleisch & Wurst nicht teurer – aber besser!». Deine Kinder trugen dies mit Humor und durchaus auch mit Stolz.

 

In den 80er - Jahren wurde klar, die Metzgerei sollte, ja musste vergrössert werden. Ein Erweiterungsbau wurde realisiert. Intensives Engagement verlangte Dir deren Planung und Bauzeit ab. In dieser Lebensphase begann Deine Ehe zu kriseln. Nach 22 vereinten Jahren, war eine Trennung unausweichlich.

 

Vater!

 

Die Ehetrennung traf Dich. Ein Milieu der Fragen und der Selbstbesinnung. «Jetzt erst recht» hast Du Dir gesagt. Glück hilft manchmal, Arbeit jedoch immer. Umgehend wieder aufstehen, war Dein lebenslanges Credo.

 

Stets durftest Du auf die Unterstützung Deiner Kinder zählen. Um zuhause mitzuhelfen, gab Deine Tochter in dieser Phase temporär gar ihren Job auf. In den folgenden Jahren bis heute arbeiteten sowohl Claudia, Markus, wie auch Maria, immer wieder im elterlichen Betrieb mit. Häufig begleitet von Deinen heranwachsenden Grosskindern. Derzeit arbeitet auch eines Deiner Grosskinder im Betrieb mit. Fabio. Zu Deiner Freude.

 

Im Jahre 1989 durftest Du Dich abermals verlieben. In Annamarie. Sie war als Jungmutter, infolge eines Stelleninserates zur Familie Götzl gestossen. Zusammen mit ihrer einjährigen Tochter Gabriela. Nach sechs Liebesjahren habt Ihr geheiratet. Du bist Deinem Herzen gefolgt, es kannte den Weg. Der Bund fürs Leben mit Annamarie.

Und Gabriela war Dir so ans Herz gewachsen, Du hast sie zur eigenen Tochter adoptiert. Im Alter von 58, wurdest Du abermals leiblicher Vater. Dein Sohn Patrick erblickte das Licht der Welt.

 

Deine nun insgesamt sechs Kinder bereicherten Dich, auch mit vier Grosskindern.

Randy, der Älteste.

Nadja.

Fabio.

Und der bisher Jüngste. Markus Henrique.

 

Geprägt von starken Werten, das warst Du alle Zeit.

Immer warst Du für uns da, stets gabst Du uns Ohr.

Immer warst Du fordernd, stets warst Du fördernd.

Immer warst Du fair, stets warst Du beharrlich.

Deine Toleranz endete dort, wo Intoleranz begann.

Immer sagtest Du Deine Meinung und stets warst Du ehrlich.

Auch wenn dies nicht jeder, gerne hören wollte.

 

Brunnadern war für Dich nun zu Deiner Wahlheimat geworden. Kein Nationalfeiertag, ohne die wehende Schweizerfahne. Aus Deinem Dachstockfenster gehisst. Ein weisses Kreuz im lauen Wind.

Für Dich hatte das Dorf und deren Einwohnerinnen und Einwohner einen aussergewöhnlichen Stellenwert. Immer warst Du dankbar. Brunnadern und die Schweiz hatten Dir eine Gunst offenbart.

Du hast die Chance genutzt.

 

In Deiner spärlichen Freizeit wirktest Du im Turnverein mit. Dein Hang zur Freiheit auf dem Motorrad, mit Deiner purpur-roten Morini. Und wöchentlich, mit Deiner Jass - Clique in der Dorfkneippe.

 

Gesellschaften und Vereine konnten auf Deine tatkräftige Unterstützung zählen. Keine Anfrage für Grill- oder Vereinsfeste hast Du vorbeiziehen lassen. Auch Sonntag war es Dir eine Freude, mit schmackhaften Spezialitäten und individuellen Leckerbissen aufzuwarten.

 

Die Terrasse und der Hof vom "Sunneshy", waren Wohlfühloasen. Deine erholsamen Rückzugsorte. Rege neben dem heimatgeschützten, prächtigen Linden - Baum. Mit Genugtuung, sitzend auf Deinem Holzbänkli. Du hast das Anwesen bestaunt. Die Idylle des Dorfes wirken lassen. Die Bürgerinnen und Bürger gegrüsst. Und bescheiden Deine «Ruhe und Muse» genossen.

Auf der imposanten Terrasse Deinen Weitblick gefrönt. Mit Ausblick zum Säntis. Dazu Vogelgezwitscher und Kirchenturmschläge. Berauschende Klänge und edle Töne. Deine Finger berührten beim eleganten Spiel sanft die Tasten Deiner Ziehorgel. Und, Du hast ganz einfach das Beisammensein mit Deinen Liebsten ausgekostet. Ach`, viel haben wir gelacht.

 

Stets dabei, ein treuer Begleiter. Olga, Deine Schäferhündin. Welche Dir auf Kommando jeweils ruckzuck Deine Socken, Dein Schuhwerk und auch Deine Hose brachte.

Nebst Lebensfreude und Pflichtbewusstsein warst Du auch ein sehr humorvoller Mensch.

 

Eine, im Eingangsflur des Hauses deponierte Tasche von Vertrauten, wurde von Dir auch mal` mit einem leblosen Schweine - Ringelschwänzli bestückt. Zahlreiche solche Episoden sorgten sowohl bei Dir, wie bei Betroffenen nach einem kurzen Schrecken für herzlich, strahlende Gesichtszüge.

 

Von vier Uhr früh bis abends spät, täglich warst Du im Metzgereibetrieb. Bis zu Deinem 68. Lebensjahr. Absehbar war, dass Du, nicht mehr mit derselben Frische agieren konntest. Es folgten mehrere Hüftoperationen. Nach denen Du, stets wenige Wochen später, wieder punktuell in der Metzg gestanden warst.

 

Ab Deinem 74. Lebensjahr, nicht mehr möglich! Du musstest Dich von der körperlichen Arbeit im Betrieb lösen. Dies bedeutete jedoch nicht, dass Du untätig warst.

 

Deine Mithilfe war nicht versickert. Nein, sie war verlagert, in das obere Stockwerk. Haushalt. Du hast für uns gekocht, welch` Gaumenfreude. «La cuisine de mon père». Auch Büro- und Beratungsarbeit. Für die Familie. Und für die Metzgerei. Deine Leidenschaft.  

 

In den letzten Monaten wurde Dein Herzschlag schwerfälliger. Dein Atemvermögen schwächer.

Dann, 2018! Abermals. Dein Gesundheitszustand veränderte sich. Rapide. Und erheblich. Wiederum musstest Du ins Spital. Begleitet von Komplikationen. Und Intensität.

 

Am Donnerstag den 08. März 2018 um 15:35 Uhr, stellte Dein Herz seinen Schlag ein. Im Beisein Deiner Familie. Du hast Deine letzte Reise angetreten.

 

Wir trauern. Wir trauern mit einer Gewissheit. Wir trauern mit Zuversicht.

Lieber Ehemann. «Liäbä Bapi». Lieber Opa.

Deine Seele hat die erfüllte, die verdiente, die letzte Ruhe finden dürfen.

 

Vater!

 

Sei Du gewiss. Dein Herz. Dein grossartiges Herz.

Lebt weiter. Lebt jeden Tag.

Bis zu unserem Wiedersehen.

 

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Amen.

 

 

 

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